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Die Eppsteiner Zeitung bereichtete am 16.6.2010:

Schon im Herbst können die ersten Beeren geerntet werden!
Der Garten der Sinne für Demenzkranke ist längst fester Bestandteil im sommerlichen Alltag der Bewohner der Seniorenresidenz in der Langenhainer Straße. In den vergangenen fünf Jahren ist aus dem verwilderten Pflanzstreifen am Hang ein idyllischer Aufenthaltsort an sonnigen Tagen entstanden. Maßgeblich daran beteiligt waren Annette Lentz und ihre Pflegeschüler und Schülerinnen, die auch diesmal wieder ihre Projektwoche dazu nutzten, um Unkraut zu jäten, Pflanzen zurückzuschneiden und neue Beete anzulegen.
Von Anfang an dabei ist auch die Bürgerstiftung: Vorstandsmitglied Ute Jürges überreichte wieder einen Scheck über 300 Euro für Pflanzen an Heimleiter Volker Pallin und Lehrerin Annette Lentz. Das Geld hatte die Lehrerin an der Gesundheits-Akademie Main-Taunus in Bad Soden schon vorab für Beerensträucher ausgegeben: Dornenlose Brombeeren, Himbeeren, Johannis- und Maulbeeren haben die jungen Gärtner gepflanzt und im Laufe der Woche auch ein Rankgerüst aus Brettern gezimmert. Wahrscheinlich schon im Herbst können die Senioren und Seniorinnen die ersten Früchte pflücken.
Monatserdbeeren und Tomatensträucher bekamen die Schüler von einem Pflanzenhandel geschenkt. „Eine schöne Anerkennung für ihren Einsatz für die Senioren“, freute sich Annette Lentz. Auch die Senioren sorgten für Setzlinge. Bewohner Franz Ernst ist zwar an den Rollstuhl gefesselt, der Garten ist dennoch „mein ein und alles“, sagt er und hat im Frühjahr im Minifrühbeet auf der Fensterbank Kohlrabi- und Salatpflänzchen gezogen.
Jetzt besucht er seine Zöglinge nahezu täglich, um zu gießen und zu beobachten wie sie wachsen. „Aus der Biografie-Arbeit mit ihm wissen wir, dass er früher viel im Garten gearbeitet hat“, sagt Pallin. So weit wie möglich, versuche man, solche Vorlieben in den Pflege-Alltag zu integrieren. Das sei angesichts des hohen Personalaufwands häufig nicht möglich, gibt Pallin zu. Um bessere Abläufe im Alltag zu erreichen, sei man von der Einteilung der Stationen für Pflegebedürftige oder Demenzkranke abgerückt, berichtete Pallin. Der Übergang sei ohnehin häufig fließend. Deshalb habe man begonnen, Demenzkranke in allen Stationen zu integrieren, statt sie einer separaten Abteilung zuzuweisen. Statt dessen erhalten sie spezielle Angebote wie die Frühstücksgruppe oder das gemeinsame Kochen.
Die 15 Pflegeschüler- und Schülerinnen setzten im Laufe ihrer Praktikumswoche unterschiedliche Schwerpunkte. So kochte die Haushaltsgruppe dienstags Marmelade ein und bereitete am Donnerstag einen original hessischen Kartoffelsalat zu. „Allein das Fachsimpeln darüber, wie viel Brühe an die Kartoffeln gegossen wird und ob die Zwiebeln geschmälzt werden oder roh bleiben, beschäftigte die Frauen eine Stunde lang“, freute sich Annette Lentz. Sie hatte sich morgens eine Kittelschürze übergezogen, wie sie früher getragen wurde, um die Kleidung zu schonen. Die breite Tasche, ideal für Wäscheklammern, weckte bei einer der Damen Erinnerungen: „Sofort wurde ich gefragt, wo ich denn hier Wäsche aufhängen würde“, freute sich die Lehrerin über das Interesse der Bewohnerinnen und beschaffte ihren Schülerinnen umgehend auch Kittelschürzen.
Wie wichtig solche Erinnerungsobjekte für Demenzkranke sind, erfahren die Schülerinnen während ihres Praktikums immer wieder. Genauso wie sinnliche Erfahrungen: Auch durch Schmecken und Riechen werden Erinnerungen geweckt. „Biotop für alle Sinne“ lautete deshalb der Titel der Projektwoche. Ein Waldspaziergang mit Förster Peter Lepke gehörte auch dazu. „Den genossen die Senioren ganz besonders“, lobte Pallin den Einsatz der angehenden Pflegekräfte. Die schoben nämlich während des Spaziergangs die Senioren in ihren Rollstühlen durch den Wald. „Es war anstrengend aber auch sehr schön“, sagt Dana Pelkmann und berichtete, dass eine der Bewohnerinnen vor lauter Begeisterung sogar das Lied „Kuckuck ruft’s aus dem Wald“ angestimmt habe.
David Witt hatte sich bei schönstem Sommerwetter mit den beiden Bewohnern Ilse Westphal und Werner Götz unter einen Pavillon im Garten gesetzt und bemalte mit ihnen Herzen aus Sperrholz. Sie werden an den Toilettentüren angebracht und helfen den Demenzkranken bei der Orientierung.
Das einwöchige Praktikum der Pflegeschüler ist für beide Seiten ein Gewinn, ist Pallin überzeugt. „Wir lernen dabei die Menschen viel intensiver kennen als bei unseren Praktika im Pflegedienst“, hat Klassensprecher Benjamin Flössel beobachtet. Er hatte seine Kamera dabei, um Bilder für die abschließende Dokumentation zu schießen. „Manche haben mich deshalb für einen Reporter gehalten und haben mir sehr viel aus ihrem Leben erzählt“, sagt er. Das sei wichtig für die Biografiearbeit. Viele der meist über 80-Jährigen berichten von ihren Erinnerungen aus der Kriegszeit.
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